Erzählfiguren: Karfreitag

Die drei Heiligen Tage – das „Triduum Paschale“

Die geistliche Atmosphäre der Karwoche führt uns hinein in das „Triduum paschale“ 
(sprich: „tri-du-um pas-kale“) oder auch „Triduum Sacrum“. 

Die Tage von Gründonnerstag über den Karfreitag bis zum Ostermorgen sind liturgisch gesehen wie eine einzige Gottesdienstfeier. Sie gehören zusammen!

In diesen drei Tagen – der Gründonnerstagabend gehört schon zum Freitag dazu und wird daher nicht extra gezählt – verdichtet sich das Heilsgeschehen Gottes für uns Menschen zum Mysterium, zu einem Erlösungs-Geschehen, dessen Dimension und Bedeutungskraft wir vielleicht nur staunend erahnen können.

Gründonnerstag (wahrscheinlich von althochdeutsch „greinen“ = trauern, wehklagen): 
Jesus wäscht seinen Jüngern, und wir hören dabei seine Worte, die auch uns gelten: 
„Tut auch Ihr dies! Seid einander Diener und Dienerinnen!“

Dann isst er mit ihnen sein letztes Mahl. 
Es ist die Einsetzung des Abendmahls für uns – gegenwärtig zu allen Zeiten! 

Danach überschlagen sich die Ereignisse. Mit abgrundtiefer Angst und in Einsamkeit harrt Jesus im Gebet am Ölberg aus; mit der Bitte um Verschonung vor dem Unvorstellbaren – und doch in der tiefen Ergebenheit in den Willen des Vaters. 

Am Karfreitag wird er gefangen genommen, grausam gefoltert und am Kreuz hingerichtet. Jesus stirbt um die neunte Stunde, etwa um 15.00 Uhr. Er haucht Seinen Geist aus. 

Der Karsamstag: Die Zeit steht still. Alles so sehnlich Erhoffte scheint verloren zu sein, Jesus, der noch vor wenigen Tagen als der Retter und Erlöser gefeiert worden war, liegt tot im Grab. „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“ … beten wir um Glaubensbekenntnis.

Unsere Biblischen Figuren:

Biblische Szenen stehen manchmal wie Momentaufnahmen vor unseren Augen. 
Aber im Grunde sind es keine Fotos, sondern es handelt sich um einen Prozess, ein dynamisches Geschehen, in das wir mit hineingenommen sind.

Wir schauen nicht auf etwas, was sich vor über 2000 Jahren ereignet hat,  sondern wir erleben das Geschehene heute immer wieder mit. 

Wir sitzen mit am Abendmahlstisch und hören: 
„Dies ist mein Leib, für Dich gegeben! Dies ist mein Blut, für Dich vergossen!“
Das Testament seiner Liebe wird uns in der ständigen Erneuerung ewige Gegenwart!
Zuvor hatte Jesus angedeutet, dass er sterben würde: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, wird es keine Frucht bringen.“ Die Ähren erinnern daran.

Wir sind mit Jesus am Ölberg und versuchen, seiner Bitte zu entsprechen: 
„Bleibet hier und wachet mit mir, wachet und betet“. 
Es ist nicht leicht, seine Jünger sind vor Erschöpfung eingeschlafen.

Wir gehen mit Jesus den schweren Weg bergauf bis nach Golgatha,… der „Schädelstätte“. Und dann können wir einfach irgendwann nicht mehr, weil es zu grausam, zu unvorstellbar wird für uns. Aber Jesus geht weiter….darüber hinaus. Er stirbt am Kreuz.

Und da sind die vielen Menschen, heute und zu allen Zeiten, die mit gekreuzigt sind: 
Die von der Angst Überwältigten, die Geschlagenen, die Geschundenen, die Trauernden, die Hungernden, die von Kriegen Gekreuzigten, die Verfolgten, die Geflüchteten, die Opfer von Gewalt und Hass, die Missbrauchten, die Getriebenen, die Verzweifelten, die Sterbenden.
Ihnen allen ist der Gekreuzigte nahe. Uns allen, denn wir gehören „im Grunde“ dazu.

Am Karfreitag, in der totalen Hingabe Seines Lebens bis zum Tod am Kreuz nimmt Jesus alles mit sich und auf sich: unsere Ängste, Schmerzen, Dunkelheit, Schuld und sonstigen „Abgründe“. 
Menschliches Elend geht in ihm wie durch einen „Photosyntheseprozess“.
Unsere seelischen „Problemstoffe“ nimmt Jesus in sich auf und verwandelt sie zu „Sauerstoff“, zu „Lebensstoff“, der uns wieder aufatmen lässt.

Der Karsamstag ist noch auszuhalten, er gehört dazu, es gibt keine Abkürzung in Richtung Ostern. Der Karsamstag ist der Tag der Schockstarre, der Fassungslosigkeit, des Stillstehens, des Schweigens, des Trauerns, der dunkelsten Stunde ….. 
Was menschlich so sehr gehofft wurde, scheint sich nicht erfüllt zu haben. 

Maria hält ihren toten Sohn im Arm. Alles scheint verloren.