Erzählfiguren: Palmsonntag

Einzug Jesu in Jerusalem (nach Lk 19, 28-40)

Die Karwoche beginnt. Sie wird auch „Stille Woche“ oder „Heilige Woche“ genannt.
Das Wort „Kar“ aus dem Altdeutschen „Kara“ bedeutet Trauern, Wehklagen.
In diesen Tagen gehen wir Jesu letzte Lebenswoche bis zu seinem Tod und über ihn hinaus „in Echtzeit“ mit. 

Es beginnt mit dem Palmsonntag, mit dem Einzug nach Jerusalem.
Viele Menschen säumen den Weg. Sie werfen ihre Kleider auf den Boden und rufen Jesus zu (Mt 21, 9-12): „Hosianna!“ 
Das ist ein Jubelruf, ein „freudiges Flehen“, er bedeutet „Gott hilf doch!“ 
Jesus, er ist für viele damals der lang erwartete Messias, der sie von der Herrschaft der
Römischen Besatzung befreien soll. Als Retter sehen sie Jesus. Als König.
Bei Lukas im Vers 38 heißt es: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“ 

Jesus lässt den Jubel zu. Er lässt sich feiern, aber alles entwickelt sich anders, ganz anders als die Menschen glauben.
Etwas fällt eigentlich sofort auf, irritiert vielleicht manche: 
Jesus kommt nicht hoch zu Ross, sondern zieht auf einem jungen Esel in die Stadt ein!
Er zeigt damit: Er ist ein ganz anderer, ein „armer König“. Seine Herrschaft ist weder politischer noch militärischer Art. Jesus ist ein sanftmütiger Friedenskönig.

Der Esel, wir kennen ihn, er stand auch mit an der Weihnachtskrippe, beim neu geborenen kleinen Jesuskind. Jetzt reitet der erwachsene Jesus darauf. Jesus, er ist von Anfang an der Sanftmütige, der Demütige, der Würde schenkende, der Heilende, und in allem: 
Der leidenschaftlich Liebende. Der Liebende durch alles Leid hindurch. 

Was dies in letzter Konsequenz bedeutet, bedeuten wird, davon haben die Jubelnden am Wegrand vermutlich noch keine Ahnung. Jesus jedoch weiß genau, was auf ihn zukommen wird. Er hat es seinen Jüngern angedeutet. 
Was nach menschlichem Ermessen niemals geschehen darf, wird geschehen.
Jesus wird verurteilt werden und am Kreuz sterben.

Sein Einzug in die Stadt Jerusalem auf einem Esel gehört dazu, erfüllt eine Prophetie (Sacharja 9,9). Alles was nun geschieht, beginnend mit dem „himmelhohen Jubel“, und ein paar Tage später seelisch abstürzend in „todtraurige Betrübnis“, zum „Stillstehen der Zeit“ und schließlich weiter zum unbegreiflichen Wendepunkt, in die Herrschaft der Liebe hinein …all dies ist in Gottes Plan. 
Und dieser ist so ganz anders als alles, was Menschen sich vorstellen können. 
Damals wie heute.